Swonarew Kut - Звонарёв Кут
Swonarew Kut - Звонарёв Кут
Den Begriff Trudarmee übernahmen diejenigen Angehörigen der nationalen Minderheiten, die während und nach dem Zeiten Weltkrieg - von 1941 bis 1946 - einer militarisierten Form der Zwangsarbeit unterworfen wurden: Sie bezeichneten sich als Angehörige der Arbeitsarmee. In offiziellen Dokumenten dieser Zeit taucht der Begriff Arbeitsarmee nach Ansicht russischer Historiker nicht auf. In der Umgangssprache war er geläufig, doch die russische Geschichtsforschung hat sich erst Ende der achtziger Jahre mit der Arbeitsarmee des Zweiten Weltkrieges auseinandergesetzt.
Zunächst wurden die russlanddeutschen Angehörigen der Roten Armee aus den regulären Einheiten in Bautrupps versetzt, gemäß einer von Stalin am 8. September 1941 erlassenen Direktive. Für die Deutschen im Gulag wurde - auf Anraten des NKWD - Anfang des Jahres 1942 eine eigene Kategorie gefunden: trudmobilisowanny nemez (deutsch: arbeitsmobilisierter Deutscher); dies wurde zur offiziellen Bezeichnung für die Deutschen in der Arbeitsarmee. Im Oktober 1942 übertrug man die für die Deutschen geltenden Bestimmungen auf andere Minderheiten: Wehrpflichtige Männer aus den Ethnien der in Russland ansässigen Finno-Ugrier, Ungarn, Rumänen und Italiener wurden ebenfalls zur Arbeitsarmee eingezogen.
In der ersten Periode von September 1941 bis Januar 1942 wurden die russlanddeutschen Männer im wehrfähigen Alter einberufen. Grundlage war ein Beschluss des Politbüros des ZK der Kommunistischen Partei vom 31. August 1941 Über Deutsche, die auf dem Territorium der Ukrainischen SSR wohnen. In der zweiten Periode wurden Russlanddeutsche Männer im Alter von siebzehn bis 50 Jahre einberufen - zunächst diejenigen, die in den asiatischen Teil der Sowjetunion zwangsumgesiedelt wurden, dann auch diejenigen, die schon im asiatischen Teil der Sowjetunion lebten. Von Oktober 1942 bis Dezember 1943 folgte eine massenhafte Einberufung der Russlanddeutschen, darunter auch der Frauen. In der letzten Periode von Januar 1944 bis zur Auflösung der Arbeitsarmee im Jahr 1946 erfolgten nur noch sporadische Einberufungen, es wurden im wesentlichen Russlanddeutsche aus den von der Roten Armee eroberten Gebieten in die Arbeitsarmee geschickt.
In die Arbeitsarmee zwangsrekrutiert wurden vor allem die Wolgadeutschen in der ehemaligen Sowjetunion.
Der rechtliche Status war eine Mischung aus Lagerhäftling, Bauarbeiter und Militärangehöriger, bei Dominanz der Lagermerkmale. So wurden Lebensmittel und Industriewaren nach den Richtlinien für Sträflinge des Gulag, die Arbeitstrupps standen unter NKWD-Aufsicht. Ähnlich wie Gulag-Häftlinge wurden Deutschen der Arbeitsarmee für Schwerstarbeit beispielsweise beim Bau von Eisenbahnlinien und Industrieanlagen, im Bergbau oder beim Holzfällen eingesetzt. In den Lagern war Angehörigen anderer Nationalität der Umgang mit Deutschstämmigen außerhalb der für die Arbeit notwendigen Kontakte streng verboten.
Von Oktober 1942 an wurden russlanddeutsche Frauen zwischen 16 und 45 Jahren in die Arbeitsarmee einberufen. Von der Einberufung freigestellt waren nur schwangere Frauen und Mütter von Kindern unter drei Jahren. Dies führte zur Verwahrlosung oder zum Tod eines Teils der zurückgebliebenen älteren Kinder.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurden die Einheiten der Arbeitsarmee aufgelöst, ihre Angehörigen wurden in die reguläre Belegschaft der Betriebe oder Organisationen eingegliedert, in denen sie gearbeitet hatten. Die Russen deutscher Abstammung durften nun - wenn genügend Wohnraum vorhanden war, ihre Familien an den Arbeitsort nachkommen lassen. Die Zusammenführung der Familien war erst in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre abgeschlossen.
Die Russlanddeutschen durften nach der Auflösung der Arbeitsarmee - allerdings nur mit Genehmigung durch Betriebe und Behörden - an die Orte (im wesentlichen im asiatischen Teil der Sowjetunion) zurückkehren, in denen sie vorher zwangsweise nach der Vertreibung aus dem ursprünglichen Siedlungsgebieten (im europäischen Teil der Sowjetunion) angesiedelt worden waren. Sie erhielten allerdings den Status von Sondersiedlern und waren bis 1955 der örtlichen Kommandantur des NKWD unterstellt. Eine Rückkehr in die ursprünglichen Siedlungsgebiete blieb verboten, sie mussten schriftlich auf Entschädigung für das enteignete Vermögen verzichten.
Folgende Erlasse des Staatlichen Verteidigungskomitee der UdSSR beziehen sich auf die Einberufung in die und Einsatz der Deutschen in der Arbeitsarmee:
• Erlass № 1123сс Über den Einsatz deutscher Umsiedler im wehrfähigen Alter von 17 bis 50 Jahren 10. Januar
1942 (russisch: “О порядке использования немцев-переселенцев призывного возраста от 17 до 50 лет”
от 10 января 1942 г.)
• Erlass № 1281сс: Über die Mobilisierung der deutschen Männer im wehrfähigen Alter von 17 bis 50,
die einen ständigen Aufenthaltsort in den Bezirken, Kreisen, Autonomen Republiken und Unionsrepubliken
haben 14. Februar 1942 (russisch: “О мобилизации немцев-мужчин призывного возраста от 17 до 50 лет, постоянно проживающих в областях, краях, автономных и союзных республиках” от 14 февраля 1942 г
• Erlass № 2383 Über die zusätzliche Mobilisierung der Deutschen für die Volkswirtschaft der UdSSR 7.
Oktober 1942 (russisch: “О дополнительной мобилизации немцев для народного хозяйства СССР”
от 7 октября 1942).
• Dazu kommt noch die NKW-Direktive № 0083 vom 12. Januar 1942: Über die Organisation der Einheiten der mobilisierten Deutschen in den Lagern des NKWD der UdSSR (russisch: “Об организации отрядов из мобилизованных немцев при лагерях НКВД СССР”)
Schweres Los, mein böses Schicksal
hast mir übel zugespielt,
hast mich von der schönen Wolga
nach Sibirien hingeführt.
Nicht für böses Tun und Treiben,
nicht für eine schlechte Tat.
Keine Schuld stürzt mich ins Unglück,—
nur Verleumdung und Verrat.
Kein Verbrechen je begangen,
immer Gutes nur im Sinn.
Mußte geh’n in die Verbannung
nur weil ich ein Deutscher bin.
Längst ist jener Feind zerschlagen,
das Land von andern wird regiert.
Aber ich muß hier verharren,
widerrechtlich hergeführt.
Und ich sehn mich nach der Heimat,
frag in aller Welt herum:
Warum darf ich nicht nach Hause?
Sagt mir’s Leute! Sagt: Warum?
Dominik Hollmann