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Der Friedensbote


Friedensbote_1909Sie war die zweitälteste christliche Zeitschrift und erschien als „Monatsblatt fürs christliche Haus“ zwischen 1884 und 1915. Von 1874 bis 1884 trug sie den Namen „Volksbote“ und wurde in Saratow herausgegeben. „Der Friedensbote“ erschien in Beideck (Talowka) im Wolgagebiet mit der Beilage„Der Jugendfreund“ und fand unter den deutschen Kolonisten Rußlands eine weite Verbreitung. Die Redaktion wurde von dem bekannten wolgadeutschen Pastor H. Günther geleitet.

Teil 2 der Memoiren...

 

Auf dem Schiff bekam der Mann täglich ein Duart Wein und alle 3 Tage ein Duart Franzwein, eine Portion geräucherten Speck zu 6 Pfund, eine Portion Brot und Zwieback. Nach einer 11 Tage dauernde Fahrt und einem kleinen ausgestandenen Sturm liefen wir auf der Rhede bei Kronstadt in Ingermanland ein und wurden nach Oranienbaum Abends ausgesetzt. 1766 im Juni n. St.konnte jede Kolonisten=Familie nach Anzahl der Köpfe auf ein vorgezeigtes Billet vom Vorsteher bei einem Kaufmann nötige Waare ausnehmen. Mich betraf's für mich und meine Frau mit 12 Rubeln, Baßinger bekam für sich und seine Familie 16 Rubel. Nach einem Aufenthalt von 4 Wochen wurden wir teils zu Wasser, teils zu Lande nach St. Petersburg geführt. Vor Petersburg lagen wir in Barquen auf dem Newa-Strom 8 Tage, sodann wurden wir unter Commando der Herrn Offiziere Gebrüder von Oldenburg zu Wasser auf der Newa bis Schlüsselburg, von da durch den lodogischen Kanal u. f. w. bis Nowgorod Welicki fortgeschaft. In Nowgorod Welicki sind wir den 26. August n. St. 1766 angekommen, wo ich wegen Krankheit meiner seligen Frau nebst vielen anderen von meinem Transport zurückbleiben und auch Vorsteher werden mußte. Nach 14 Tagen, den 9. September, starb daselbst meine erste Frau an der Heimsucht und liegt hinter dem Kloster St. Nikolai, 3 Werst von Groß-Nowgorod, nebst vielen anderen Kolonisten bergraben. 1766 nach einer in meinem 11=wöchigen Wittwenstande ausgestandenen schweren Krankheit heiratete ich zum anderen Male, und zwar die durch den 3. November erfolgten Tod des Martin Baßinger gewordene Wittwe, mit welcher ich am Sonntage in der erste Abenwoche des Tischlers Scheibels Hause zu Groß-Nowgorod vom Hernn Pastor Tornow getraut wurde. Im März hatte ich großen Verlust an den empfangenen Tagegeldern, so ich als Vorsteher an die Kolonisten auszahlen sollte. 1767 in eben diesem Monat bekamen wir Kleidungsstücke auf die Reise, ich bekam im März für meine Familie 2 große , 2 kleine Pelze, 2 große, 2 kleine Mützen, 2 Paar große, 2 Paar kleine Stiefel, 2 Paar große, 1 Paar kleine Strümpfe, 2 Paar Handschuhe und 1 Paar rottuchen Hosen. 1767 gegen Ende des März wurden wir unter'm Commando des Herrn Lieutenant Dunckel auf Schlitten von Groß Nowgorod über Brunitza nach dem Dorfe Chilonka 15 Werst von Torschok, transportiert. Nachdem wir dort 6 Wochen stille gelegen hatten, wurden wir den 10. Mai von Torschok aus auf der Twerza unter'm Commando des Herrn Prem.-Lieut. Leontiew und Lukin nach Twer transportiert. Daselbst enstand ein großer Streit mit den Russen, wobei ein Kolonist Namens Anton Schneider (er starb später in Rownoje), Schuld hatte.
Nach langem Aufenthalt gingen wir auf der Wolga weiter nach Jaroslaw, Kostroma, Nischni Nowgorod, Saran, Simbirsk und samara, wo unsere Barque sehr schadhaft wurde, bis nach saratow, wo wir bei der gegenüberliegenden malorussischen Slobode Pokrowskaja 1767 den 2. August anlandeten. Nach 8 Tagen wurde ich nebst anderen Familien auf Ochsen-Wagen nach den Klonien gebracht; des anderen Tages gig ich auf Zureden als Kolonit und Schulmeister auf die Kolonie des Vorstehers Jost, russisch Popowkina; bald nachher, den 8. August, mußten wir die Neuankömmlinge mit dem Vorsteher nach Saratow, um Pferde und Vorschuß zu empfangen, und jeder mußte, ob er wollte oder nicht, Vorschuß nehmen. Des anderen Tages bekammen wir jeder 2 kalmückische Pferde, aber den ersten Vorschuß zu 15 Rubeln erst 11 Tage nachher, wofür wir Ackergerätschaften als Chomute, Wagen, Sensen u. f. w. kaufen mußten. 3 Tage nachher bekamen wir das erste Tagegeld in Saratow, der Mann 7, die Frau 7 Kop. täglich. Kinder nach dem Alter; meine Stieftöchter jede 3 Kop.
1767 im September bekam jede Familie Eine  kalmückische Kuh; zu eben dieser Zeit wurden von jeder Kolonie nebst dem Vorsteher 2 Deputierte vom hohen Comptoir nach Saratow berufen, um eine Publikation einiger die Kolonisten besonders betreffenden Polizei-Gesetze anzuhören und unterschreiben, worin unter Anderem allen Kolonisten alle Arten von Gewerbe und Handel schlechterdings verboten wurden, und jeder, er sei, wer er wolle, Künstler oder Handwerker, gelehrt oder ungelehrt, mußte sich zum Ackerbau bequemen. Im Falle des Nichtwollens sollte er mit Zuchthausstrafe, wozu die von Saratov bei der Wolga gebauten Kasernen bestimmt waren, und darin die Verbrecher auf Handmühlen mahlen mußten, oder gar wohl mit Schlägen dazu gezwungen werden. Um eben dieselbe Zeit machte der Herr Major Baturin die erste Revision und jeder wurde um sein Vaterland, Gewerbe u. f. w. befragt, gleichfalls wurden auf Befehl der in Priwalnaja befindlichen Direktion von den Kolonisten gewisse Gerichtsmänner durchs Loos erwählet.
1767 den 23. November bakam ich 10 Rbl. Vorschuß, wofür ich Heu und Hafer kaufte. 1768 den 17. Februar bekamen wir wieder Vorschuß 10 Rubel. Bei dieser Gelegenheit wurde in der in der Kolonie Popowkina bei uns stett des Jost der in Zebelshof gewesene Holzhauer Lammermann närischerweise zum Vorsteher erwählet Von diesen 10 Rubeln Vorschuß bezahlte ich nebst den meisten der Kolonisten von Popowkina an die Le Roische Direktion für 3 Dessiatin zu ackern laut Kontrakt 6 Rubel.