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Der Friedensbote


Friedensbote_1909Sie war die zweitälteste christliche Zeitschrift und erschien als „Monatsblatt fürs christliche Haus“ zwischen 1884 und 1915. Von 1874 bis 1884 trug sie den Namen „Volksbote“ und wurde in Saratow herausgegeben. „Der Friedensbote“ erschien in Beideck (Talowka) im Wolgagebiet mit der Beilage„Der Jugendfreund“ und fand unter den deutschen Kolonisten Rußlands eine weite Verbreitung. Die Redaktion wurde von dem bekannten wolgadeutschen Pastor H. Günther geleitet.

Teil 3 der Memoiren...

 

1778 machte Se. Excellenz der Herr Brigadier und Präsident des Hohen Comptoirs Iwan Resanow im Monat Mai eine Revision, er war sehr streng und es wurde ein großer Abzug an Tagegeldern gemacht zur Strafe, daß wir nicht geackert hatten. Ich war dazumal auf den Tod krank am hitzigen Fieber, doch war mir auf Juni am Tagegeld abgezogen 1 Rubel 80 Kopeken; sogar die Kinder mussten 1 Kopeken Abzug leiden. Vorhero aber den 17. April bekamen wir Wagengeräte, als: 2 Vorder-, 1 Hinterachse, 2 Paar Wagenstränge, 1 Paar Fömerstangen, einen Bügel und 4 Räder; und den 14.Mai bekam ich die ersten saatfrüchte; 2 Kuhl, 4 Pudofki Weizen, 2 Pudofki Gerste, ¼ Pudofki  Hanf, 5 Pudofki Hafer, 1/8 Hirse, 1/8 Buchweizen.
1768 den 6. Juni bekam ich ?isengeräte als. 1 russischen Pflug, 2 Sensen, 2 Sicheln, 1 Pfanne mit Griff, 1 Baummesser, 1 Schloß, 1 Ofengabel. Um diese Zeit wollten viele Kolonisten zu den Kalmücken übergehen. Ferner den 9. Juni bekam ich 8 Rubel Vorschuß. Zu dieser Zeit  wurde bei den ausgestorbenen Familien oder die als untüchtig erkannt wurden, wenn sie auch nur den ersten Vorschuß bekommen hatten, nicht nur das Vieh und die Geräte, sondern  auch Kleider und Betten und sogar Bücher, so sie aus ihrem Vaterlande mitgebracht, weggenommen, versteigert und das Geld nach der Le Roischen Direktion in Priwalnaja gebracht und es wurde gar kein Mitleiden gegen die nachgebliebenen Kinder beobachtet. 1768 den 5. September bekamen wir Roggen zur Herbstaussaat 2 Kuhl. Auf die Monate Juni, August, September und Oktober bekamen wir wieder das volle Tagegeld zu 7 Kopeken, auf November aber nur 5 Kopeken und bei jedem Kinde wurde ein Kopeken Abzug gemacht. Kinder, so nicht 2 Jahre alt waren, bekamen nichts.
1769 bekam ich auf Januar, Februar und März jeden Monat 6 Pudofki Roggenmehl zum Unterhalt für mich und meine Familie, aber gar kein Tagegeld, wie auch die anderen. 1769 den 3. Mai bekam ich 4 Pudofki Gerste und 2 Kuhl Hafer zur Aussaat. Den Winter vorher  erhoben die Kolonisten Klage wider die Le Roische Direktion, in welcher Affaire ich von der Gemeinde als Deputierter mit Vollmacht, so alle unterschrieben hatten, versehen und auf Gemeindekosten nach Saratow geschickt wurde...(leider fehlen im Original an dieser Stelle mehrere Blätter und ist die Darstellung lückenhaft. Die Fortzetzung auf dem nächsten noch erhaltenen Blatt lautet):
1774 ... zwischen Saratow und der Kolonie Kasitzkoj jämmerlich ermordet und liegen am Wege daselbst begraben. 1774 den 28. August fielen die Kirgisen am Karaman in den Kolonien ein, schleppten viele Seelen mit in die Sklaverei fort, welche die Kolonisten unter Anführung des Herrn Pastors Weruborner erretten wollten. Es wurde aber ihr Anführer nebst vielen Kolonisten jämmerlich ermordet. Den 31. August geschah wieder ein Einfall von den Kirgisen in der Kolonie Tonkoschurowka und auf den anderen nahe liegenden Kolonien; die von den Kirgisen gefangenen Kolonisten wurden von dem Herrn Major von Gogol mit einem Commando Husaren, Kolonisten und Russen errettet. Das erste Mal waren es über 400 seelen Gefangene.
1774 den 2. September bin ich nebst Rud. Schmidt auf Bitten der Gemeinde nach Saratow als Deputierter zum Herrn Assessor Tilling gegangen, uns zu befragen, da fast alle Kolonien am Tarlyk geflüchtet waren, wie man sich verhallten solle. Die Antwort und Resolution desselben war, man solle sich wehren mit den Waffen, so die Natur an die Hand gebe, doch könnteman Niemand, wer fliehen wollte, aufhalte. Bei unserer Rückkunftbeschlossen wir alle nach vielem Überlegen auch wie alle anderen zu flüchten und Solches setzen wir Abends den 4. ins Werk und wollten es den 5. des Morgens ausführen, allein wir wurden teils auf dem Wege, teils in dem Walde von denen vom Pugatschefschen Scharmützel zurückkommenden Jaikschen Kosacken rein ausgeplündert, und ich behielt nichts, als was ich, meine Frau und Kinder auf dem Leibe hatten, Kleider, Betten und geräte war fort. 1774 den 29. September zog der herr Obrist Michelson mit seinem Corp d’Armee durch die Kolonie Popofkina.