Swonarew Kut - Звонарёв Кут
Swonarew Kut - Звонарёв Кут
Sie war die zweitälteste christliche Zeitschrift und erschien als „Monatsblatt fürs christliche Haus“ zwischen 1884 und 1915. Von 1874 bis 1884 trug sie den Namen „Volksbote“ und wurde in Saratow herausgegeben. „Der Friedensbote“ erschien in Beideck (Talowka) im Wolgagebiet mit der Beilage„Der Jugendfreund“ und fand unter den deutschen Kolonisten Rußlands eine weite Verbreitung. Die Redaktion wurde von dem bekannten wolgadeutschen Pastor H. Günther geleitet.
Wie ich den Lesern des „Friedensboten“ versprochen, gebe ich hier eine Fortsetzung der Aufzeichnungen von Augenzeugen, die die Reise aus Deutschland in die neuen Ansiedlungen an der Wolga mitgemacht haben. Es sind dies die Memoiren des Schulmeisters Johann Georg Möhring, die insofern von Interesse sind, als sie einen Mann mit Universitätsbildung zum Verfasser haben und auch ein Licht werfen auf die Einwanderung an den Tarlyk-Fluß. Möhring schreibt: 1743 den 4. August bin ich geboren in dem Dorfe Altenstadt, nicht weit von dem Städtchen Chaorkomcham
in des Herrn Pastors Tilgers Hause, welcher mich an demselben Tage auf den Namen Johann Georg taufte. Mein Vater, Johann Georg, war Subaltern-Offizier in herzoglich-württembergischen Diensten, gebürtig von Dettenhausen bei Tübingen. Meine Mutter Katharina Magdalena, war gebürtig von Kloster Lorch im Ramsthal. 1744 kam ich zu meinen seligen Großvater nach Lorch zur Auserziehung und meine Mutter verheiratete sich mit Johann Daniel Deckert. 1749 wurde ich ins Gymnasium geschickt. Von dieser Zeit an musste ich und meine liebe Mutter 7 Jahre lang sehr viel Ungemach erdulden, denn mein Stiefvater war dem Laster der Trunkenheit und dem Stehlen allzusehr ergeben. 1756 im Mai änderte es sich mit mir, da ich mit dem Anfang des schlesischen Krieges zum F. D. Röstel gethan wurde. 1760 im August ging ich nach der Universität Tübingen, 1761 zum württembergischen Kreis-Regiment nach Sachsen und diente bis zum Frieden 1763; auch unter dem Prince de Baden Durlach als Fähnrich. 1764 ging ich nach Rhomham, von da nach der Schweiz und auch nach den Niederlanden. 1766 wurde ich von Johann Brugmann, einem holländischen Kaufmann aus Amsterdam, den 26. Februar als Kolonist nach Russland engagiert, wozu mir der Bürger Sausenthaler zuredete, aber ein Chirurg R. R., der in Russland gewesen, missriet mir herzlich und treulich. Brugmann ging dann ab und Hummel, ein Bürger und Materialist aus Nürnberg übernahm die Commission. 1766 den 27. März, am grünen Donnerstag wurde ich mit meiner ersten Frau, der ledigen Christiana Stöslin von Stadling vom Herrn Pastor Brunner in Wörth copuliert. Den 17. April ging unser Transport ab; bei meiner Familie war meine Schwieger Anna Stöslin 70 Jahre alt und meine Schwägerin Barbara 22 Jahre alt, so sich in Magdeburg an den Chemicus Dallafuß verheiratete. Er war aus Znaim aus Mähren gebürtig. Bei diesem Transport war auch ein Verwandter von mir, Martin Baßinger, ein Bürger und Maurer aus der Nürnbergschen Vorstadt Wörth sammt seiner Familie. Unser Zug ging über Baireuth, Hof, Gera, Zeitz, Halle bis Magdeburg; von da zu Schiff auf der Elbe über Acken bis Lauenburg; von da wieder auf Wagen nach Lübeck, wo wir am 8. Mai als am Himmelfahrtstage Christi, ankamen. In Lübeck habe erhalten für mich und meine Frau 2 Hemden, 2 Paar Schuhe, 2 Paar Strümpfe. Bis dahin bekamen wir Tagegeld, seit der Zeit unseres Engagements eine Mannsperson von 16 Jahren 10 Kreutzer, eine Weibsperson von 18 Jahren 10 Kreutzer, Kinder nach Maßgabe des Alters welche 10, kleinere 6 oder 4 Kreutzer. 1766 den 26. Mai am Sonntag nach Pfingsten n. St. bekam ich für meine Familie das sogenannte Buttergeld 16 Schillinge, und wurde nebst anderen embarquiert. Unser Schiffs-Patron war von Bremen, das Schiff hieß Fortuna; auf selbigem war der Vorsteher Dallafuß mit unserem Transport und die Vorsteher Holzmiller und Roth. Auf der Rhede bei Travemünde lagen wir 4 Tage vor Anker, sodann segelten wir ab.
| Weiter > |
|---|