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Auswanderung nach Brasilien


hafen_brasilDie Einführung der allgemeinen Militärdienstpflicht veranlasste zahlreiche Russlanddeutsche, das Land zu verlassen. Über das Ausmaß der Auswanderung liegen keine gesicherten Angaben vor. Man schätzt, dass etwa 250. 000 Russlanddeutsche nach Argentinien und Brasilien auswanderten.
Aber nicht nur die Einführung des Militärdienstes war Grund für die Auswanderung. Neben wirtschaftlichen Motiven dürfte hier die Angst vor einer Russifizierung und Behördenwillkür nach der Einführung der Semstwoverwaltung sowie vor Hungersnöten eine Rolle gespielt haben.
Brasilien war an der Zuwanderung von Arbeitskräften interessiert, denn mit dem Verbot des Sklavenhandels entfiel eine wichtige Quelle ihrer Rekrutierung. Die brasilianische Regierung machte gegenüber einer Delegation von russlanddeutschen Auswanderungswilligen 1875 weitgehende Zugeständnisse. So erklärte sie sich bereit, Gemeindeland in ausreichendem Umfang zur Verfügung zu stellen, und räumte den Einwanderern das Recht ein, sich in konfessionell abgeschlossenen Siedlungen niederzulassen. Die Fahrtkosten vom brasilianischen Ankunftshafen in die Siedlungsgebiete sollten ebenso übernommen werden wie die Kosten für die Verpflegung während der Reise. Wenn nötig, sollten die Einwanderer noch weitere 12 bis 20 Monate durch den Staat verpflegt werden. Die Regierung verpflichtete sich außerdem dazu, den Hausbau zu finanzieren und Verbindungsstraßen zu bauen. Diese Verhandlungsergebnisse beschleunigten die Vorbereitungen für eine Auswanderung. Es wurden Auswanderungs-Transporte für die einen Monat dauernde Seereise zusammengestellt, die zumeist in Hamburg begann.
Bereits im September 1877 trafen die ersten Russlanddeutschen im brasilianischen Hafen Paranaguá ein. 1878 war dann mit rund 2.500 Kolonisten das
"einwanderungsreichste Jahr".

 

 

brasil_iconIm Brasilienlied wurde die Auswanderung in dieses südamerikanische Land besungen. Nachdem jedoch in Russland erste Berichte über ernste Schwierigkeiten beim Aufbau von Kolonien eintrafen, ließ die Begeisterung für die Auswanderung in dieses Land bei den Zurückgebliebenen spürbar nach, die Zahl der Ausreisewilligen sank deutlich.
Heutzutage leben noch rund 70.000 Nachfahren der einst eingewanderten Russlanddeutschen in Brasilien.

 

 

 

Die Auswanderer nach Brasilien

Hilgenberg, Johann Christian
oo Ulrich, Katharina Dorothea
Hilgenberg, Jakob oo Mayer, Elisabeth Maria
Hilgenberg, Georg Friedrich
oo Krutsch, Katharina Elisabeth
Hilgenberg, David
oo Kimel Schneider, Elisabetha
Hilgenberg, Gottlieb Heinrich
oo Krutsch, Maria Elisabeth
Hilgenberg, Johann Gottlieb
oo Krämer, Maria Christina
Henneberg, Heinrich oo Ott, Maria Elisabeth
Henneberg, Jakob oo Laabach, Christina Elisabeth
Henneberg, Jacob oo Schmidt, Maria Katharina
Henneberg, Jacob oo Protzmann, Helena
Krutsch, Gottlieb Heinrich oo Hilgenberg, Maria Katharina
Hilgenberg, Johann Gottfried oo Landmann, Katharina Sophie
Hilgenberg, Georg Heinrich oo Hardt, Maria Katharina
Hilgenberg, Johann Christian
oo Wichert, Amalia
Justus, Andreas oo Hilgenberg, Katharina Elisabeth
Justus, David oo Franz, Maria Katharina
Ott, Georg oo Justus, Christina
Justus, Johann Philipp oo Hilgenberg, Maria Katharina
Hilgenberg, Heinrich oo Schmidt, Maria Katharina
Hilgenberg, Michael oo Altergott, Maria Elisabeth
Justus, Johann Kaspar oo Thierbach, Maria Dorothea

 

Quellewww.russlanddeutschegeschichte.de. Heimatbuch 1963. CARLOS ALBERTO SCHWAB "Resumo histórico e genealogía dos alemães do Volga". An dieser Stelle: Vielen Dank an Herrn Alois Schaab

 

Brasilienlied

Hier in Rußland ist nicht schen,
Weil wir missn Soldate geben
Und als Ratnik missen wir steh(e)n
Drum wollen wir aus Rußland geh(e)n.

Kommt Gebrider, wollen ziehen,
Unser Schein ist schon geschrieben,
Hin nach dem brasilischen Ort,
Weil es gibt kein Wintere dort.

Was wir haben uns erspart
Kostet uns auf dieser(e) Fahrt;
Von Stadt Hamburg bis ans Meer
sind uns unsre Säcke leer.

Als wir in das Schiff neinsteichen,
Wird uns Gott die Gnad ver(e)leihen,
Und wenn wir fahren über das Meer,
Schickt er ein Engel vor uns her.

Und wenn wir an das Land ankommen,
Werden(e) wir gleich aufgenommen,
Wo die schenste Häuser sei(e)n,
Gehen wir ja gleich hinein(e).

Ei, da wird man uns nich kränken,
Wird uns Bier und Wein einschenken,
Schenkt nur ein, so trinken wir,
Ei wie gut schmeckt uns das Bier

Trauben wachsen hinter Zäune,
Hutzeln an den hohen Bäumen,
Äpfel, Veichen, die sind rot,
Helft uns Gott aus unser(e) Not!