Swonarew Kut - Звонарёв Кут
Swonarew Kut - Звонарёв Кут
Laut Verordnung des Staatlichen Verteidigungskomitees der UdSSR vom 10. Januar 1942 sind beinahe ein Drittel der Deutschen in die „Arbeitskolonnen“ des NKWDs (ofizielle Bezeichnung der Trudarmee) bis Kriegsende zum Bau des Bakalsker Hüttenwerks und der Bogoslowsker Aluminiumfabrik mobilisiert worden. Ich konnte gar nicht ahnen, dass das Hüttenwerk, dessen Bau bei Tscheljabinsk von der Zwangsarbeit meiner unglücklichen Landsleute geplant war, und auch ich am Bau dieses grössten Industrieobjekts beteiligt werde. Um so mehr war es sich schwierig vorzustellen, dass bei diesem Bau eine Unmenge Russlanddeutschen umkommen, und den Kollaborateurschandfleck mit sich ins Grab mitnehmen werden. Und das Hüttenwerk, das auf den Menschenknochen errichtet wurde, lieferte schon ein Jahr und vier Monate nach dem Baubeginn Metall, aus dem die legendären Panzer T-34 gebaut wurden.
Am 9. Februar empfing uns Tscheljabinsk mit Wachhundegebell und unflätigem Schimpfen der Wachsoldaten, die unsere Kolonne dicht umringten. Ich geriet in die Bauabteilung Nr. 15. Es stand bevor, uns im Wald, auf einem vollkommen leeren Fleck zu plazieren. Bei Schneesturm und klirrender Kälte bauten wir Planleinenzelte auf, in denen wir uns bis Frühjahr durchquälten. Die einzige Wasserquelle war geschmolzener Schnee. Erst im Frühjahr bot sich die Möglichkeit, uns in der Badestube zu waschen. Die 15 Kilometer bis zur Badestube mussten wir nachts zu Fuß zurücklegen, und erst am frühen Morgen waren wir zurück. Anfangs hoben wir Baugruben aus und bauten Fundamente für die Walzguterzeugung. Später hat man mich in die Abteilung 6, Steinbruch, versetzt. Hier war es so unerträglich schwer, dass manche Trudarmisten verrückt geworden sind, geschweige die katastrophal hohe Sterberate. Schließlich landete ich in der Abteilung 1, wo ich bis zum Schluss meines Aufenthalts in Tscheljabinsk blieb. Wir bauten zweistöckige Wohnhäuser in der sogenannten sozialistischen Stadt (Hüttenwerksiedlung). Hier habe ich als Maler angefangen. Dieses Handwerk, das ich mir in unmenschlich schweren Arbeitsbedingungen aneignen musste, so paradox es auch erscheinen mag, ist zum Lieblingswerk geworden. Unabhängig von der Situation war ich immer froh, den Menschen Freude zu machen. Wenn ihnen deine Arbeit gefällt, ist das für dich ein Lebensansporn.
| < Zurück | Weiter > |
|---|