Swonarew Kut - Звонарёв Кут

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Wir bauten das Atomzentrum Tscheljabinsk-4

Notitzen eines Trudarmisten

von Heinrich Schneider

Die Seele widerhallt den Schmerz...

Ende 1953 bin ich aus der Trudarmee (Lager für Zwangsarbeit) zurückgekommen. Das heißt, dass ich doppelt so lange dort zubringen mußte, als die meisten meiner Leidensgefährten. Außer denen natürlich, die dort auf ewig geblieben sind. Noch vor einigen Jahren war es unmöglich sich vorzustellen, dass die am Leben Gebliebenen die Möglichkeit haben werden, sich öffentlich an die grausamen Jahre zu erinnern. Auch ich, der dank dem Trudarmistenschicksal in solche Ortschaften verschlagen wurde, selbst deren Namen strenggeheim waren, konnte nicht auf solche Gedanken kommen.
Als ich Ende 1989 in der Zeitung „Neues Leben“ den Artikel von Richard Blank „Sollen unsere Schmerzen in Vergessenheit geraten?!“ gelesen hatte, habe ich Ruhe und Schlaf verloren. Die Epopöe der Trudarmee auf der Tscheljabinsker Boden stand erneut wie in Wirklichkeit vor mir. Kurz danach sah ich eine Fernsehsendung, in der man Tscheljabinsk-40 einer amerikanischen Delegation vorstellte. Zu meiner Trudarmistenzeit war das ein streng geheimer Ort, wo wir eine ebenso geheime Stadt bauten, was mir 7 lange Jahre meines Lebens gekostet hat. Und ich beschloß darüber schriftlich zu berichten, obwohl ich mit der Feder nicht so gut wie mit dem Arbeitswerkzeug umgehen kann.
Die Trudarmee hat sich in mein Gedächtnis hauptsächlich durch ständige Verletzung der Menschenwürde, schreiende Ungerechtigkeit gegenüber uns, unschuldigen Opfern, eingeprägt. Sollte es mir überlassen gewesen sein die Front oder die Trudarmee zu wählen, hätte ich mich für die Front entschieden. Dort hat man, meines Erachtens, die Menschen wenigstens als Menschen geschätzt. Die meisten von ihnen waren ihres Leides und ihres Todes bewußt. Aber wir, Trudarmisten, fühlten uns als erbärmliche Käferchen, die jeder Lageraufseher in dem Lagerstaub zermalen konnte.