Swonarew Kut - Звонарёв Кут
Swonarew Kut - Звонарёв Кут
In Folge des Krieges zwischen Deutschland und der Sowjetunion wurde im August 1941 durch einen Erlass des Obersten Sowjets der UdSSR die gesamte deutsche Bevölkerung der Kollaboration für schuldig befunden. Bald darauf wurde die Wolgadeutsche Republik aufgelöst und die deutsche Bevölkerung deportiert. Die meisten brachte man nach Kasachstan und Sibirien. Die Deutschen unterstanden während des und nach dem Zweiten Weltkrieg bis Januar 1956 einer sogenannten Kommandantur mit strengen Meldepflichten, Ausgangsbeschränkungen und Diskriminierungen. Die Männer im Alter von 17 bis 50 Jahre(ab 1942 - von 15 bis 55 Jahre) wurden in die sogenannte Trudarmee (zu Deutsch: Arbeitsarmee) eingezogen. Von Oktober 1942 an wurden auch massenhaft russlanddeutsche Frauen zwischen 16 und 45 Jahren in die Trudarmee einberufen. Da die Trudarmee unter der Aufsicht von NKWD(sowjetischer Geheimdienst) stand, mussten die Russlanddeutschen die Schwerstarbeit beim Bau von Industrieanlagen(z.B. in Tscheljabinsk und Solikamsk), im Bergbau oder beim Holzfällen verrichten. Viele sind in dieser Zeit verhungert, erfroren oder ermordet worden.
Das deutsche Dorf Stahl am Karaman, dessen Geschichte von 1766 bis 1941 andauerte, wurde am 15. September einfach aufgelöst. An einem Tag wurde die gesamte Bevölkerung zusammengetrieben und nach Sibirien und Kasachstan deportiert. Dank einem einzigartigen Namensverzeichnis, das von Irma Justus und Jakob Kämpf im Jahre 1978 erstellt und von Andrej Justus bearbeitet wurde, können wir heute erfahren, welche Familien 1941 in Stahl am Karaman lebten und am 15. September 1941 deportiert wurden. Zum Namensverzeichnis gibt es einen nicht weniger einzigartigen Dorfplan von 1941, der uns eine Einsicht auf die Straßennamen und Straßenführung gibt, es sind auch Hausnummern der Bewohner verzeichnet. Der Plan gibt uns auch eine Vorstellung zu Stahls Umgebung – Tabakfeld, Birkenwiese oder Winkelwald.
August. Ein Tag wie gestern, wolkenloser Himmel.
Die Steppe badet in der Sonne goldnem Schein,
auf Feldern und auf Wegen tätiges Gewimmel:
Ein Volk fährt seines Fleißes Lohn, die Ernte, ein.
Da schlägt, vom Kreml selbst erfunden und gezündet,
aus heitrem Himmel prompt die Lügenbombe ein,
als ein Ukas, der barsch und rücksichtslos verkündet,
daß alle Wolgadeutschen Diversanten sei'n.
Noch gestern schallte Lob von der Kongreßtribüne
dem Volk, das heute man beschuldigt und als Sühne
pauschal entrechtet und entehrt mit einem Schlag.
Und die um hundertachtzig Grad vollführte Wende
am achtundzwanzigsten August - dem schwarzen Tag -,
sie war der Anfang eines Volkes sichrem Ende.
Reinhold Frank
Datiert mit dem 27. November 1978. Das Namensverzeichnis wurde auf der Grundlage einer Kopie bearbeitet. Das Original besitzt der Verfasser des Namensverzeichnises.
Bearbeitet von A. Justus

Am dritten Tag nach dem für uns schlimmsten Ukas des Obersten Sowjets konnten wir in den Zeitungen schwarz auf weiß lesen, daß die Deutschen an der Wolga alle auszusiedeln seien. Ich versuche, mich daran zu erinnern, wie es bei uns mit dieser "Aussiedlung" in der Praxis bestellt war.
Ich weiß noch, daß der Verkehr zwischen den Dörfern und Städten verboten war. Die Straßen wurden vom Militär überwacht. Bei Übertretung der Vorschriften drohten harte Strafen.
Zunächst wurden die russlanddeutschen Angehörigen der Roten Armee aus den regulären Einheiten in Bautrupps versetzt, gemäß einer von Stalin am 8. September 1941 erlassenen Direktive. Für die Deutschen im Gulag wurde - auf Anraten des NKWD - Anfang des Jahres 1942 eine eigene Kategorie gefunden: trudmobilisowanny nemez (deutsch: arbeitsmobilisierter Deutscher); dies wurde zur offiziellen Bezeichnung für die Deutschen in der Arbeitsarmee.
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